"Ein gruseliges Schauspiel"

Hell flackerndes Gewitterlicht und laut dröhnender "Geschützdonner"

"Es war schon ziemlich gruselig." - Wenn selbst dem Kreisbrandmeister im Rahmen einer nächtlichen Einsatzfahrt beim Anblick des eindrucksvollen Gewitterschauspiels leichte Schauer über den Rücken laufen, dann handelt es sich sicher nicht um ein alltägliches Geschehen. Das schwere Unwetter am Dienstagabend und in der Nacht zu Mittwoch über dem Kreis Soest war nicht nur von seiner Erscheinungsweise, sondern auch den Folgen her ein außergewöhnliches Vorkommnis, ist Günter Kock überzeugt. Dreimal wurden im Kreisgebiet Gebäude durch Blitzschlag in Brand gesetzt, ein in dieser Massierung sicher noch nicht da gewesenes Ereignis.

"Ich kann mich nicht erinnern, ein Gewitter in dieser Form schon einmal erlebt zu haben", gesteht der erfahrene Feuerwehrmann. Besonders irritiert hat ihn das gleißende Flimmerlicht, das den nächtlichen Himmel in ungewöhnlich langen Phasen erhellte. "Als wenn jemand immer wieder einen Lichtschalter für die Himmelsbeleuchtung betätigt hätte", beschreibt Kock seinen Eindruck. Dazu grollte es wie schwerer Geschützdonner.

Den insgesamt entstandenen Gebäudeschaden schätzte Polizeisprecher Winfried Schnieders gestern auf "deutlich über eine halbe Million Euro". Betroffen waren Wohnhäuser bzw. Stallungen in Lippstadt, Lippetal und Soest.
In Lippstadt rückte die Feuerwehr zu einem Dachstuhlbrand aus. Im Soester Ortsteil Ampen wurde ein Stall ein Raub der Flammen. 160 Schweine sowie sechs Pferde, die in dem Gebäude untergebracht waren, konnten jedoch noch rechtzeitig in Sicherheit gebracht werden. Der größte Schaden dürfte jedoch in Lippborg entstanden sein. Hier brannten ein gerade renovierter Bauernhof nebst Stallung ab. Personen kamen jedoch weder bei den Bränden noch an anderer Stelle zu Schaden. Die Helfer mussten zudem zu 14 Wassereinsätzen ausrücken, weil der Starkregen Keller überflutet hatte. Betroffen waren auch hier die Kommunen Lippstadt, Lippetal und Soest.

Nach den Beobachtungen des Kreisbrandmeisters hat sich die Gewitterfront in zwei Wellen über dem Kreisgebiet entladen. Beginn des ersten Unwetters war gegen 21.30 Uhr. Nachdem sich die Lage allmählich beruhigt hatte, ging es ab etwa 22.30 Uhr noch heftiger zur Sache. Insgesamt hatten sich Blitz und Donner erst gegen 2.30 Uhr aus dem Kreis Soest verzogen. Das lange Verweilen über der heimischen Region könnte damit zu tun gehabt haben, dass die Schlechtwetterfront - abgesehen von einigen Böen - nicht mit Wind und Sturm einherging.

Übrigens blieben den Feuerwehren auch Fehlalarme nicht erspart. Etwa acht Mal rückten die Helfer umsonst aus, weil sich Brandmeldeanlagen durch das Unwetter aktiviert hatten.