Wehr ist ein Grundpfeiler des Zusammenlebens

Festakt zum 100-jährigen Bestehen der "Freiwilligen" in Mönninghausen. Umzug von der Pfarrkirche zum Feuerwehrgerätehaus bot imposantes Bild

So viele Hände muss Zugführer Heinz Sprick (51) auch nicht jeden Tag schütteln. Die Gratulantenschar war groß beim Festakt zum 100-jährigen Bestehen der Freiwilligen Feuerwehr Mönninghausen. Vor dem schmucken Gerätehaus an der Straße "Am Rünkamp" hatten sich viele Wehren aus dem ehemaligen Amt Störmede und befreundete Feuerwehrkameraden aus Büren-Harth, Tudorf und Herne versammelt, um ihre Glückwünsche zu überbringen.

100 Jahre Feuerwehr spiegeln immer auch ein Stück Zeitgeschichte wieder. Nicht nur die Technik, auch die Aufgaben haben sich verändert und sind umfassender geworden. Das meinte auch der Leiter der Geseker Gesamtwehr, Malte Wiesner. "Das vergangene Jahrhundert war ein Zeitalter großer politischer und gesellschaftlicher Umbrüche." Er lobte die Hilfeleistung der Feuerwehrkameraden, "oft unter Einsatz ihres Lebens". Wiesner wies auch auf die gute und gezielte Jugendarbeit in den Ortsteilen Mönninghausen und Bönninghausen hin. Im Löschzug Mönninghausen sind zur Zeit zwei Jugendliche in der Jugendfeuerwehr aktiv. Rund 30 sind es in der Geseker Gesamtwehr.

Der stellvertretende Kreisbrandmeister Thomas Wieneke nahm das Jubiläum in Mönninghausen zum Anlass, generell für die Freiwillige Feuerwehr eine Lanze zu brechen. "Das ist in Deutschland ein einmaliges System und wohl die größte Organisation, für Andere Hilfe zu organisieren." Bedingt durch Änderungen im gesellschaftlichen Verhalten habe jedoch auch die Feuerwehr mit Mitgliederschwund zu kämpfen. "In Mönninghausen ist das, wie ich sehe, nicht der Fall", stellte Wieneke beim Blick in die Runde zufrieden fest. Dennoch müssten die Wehren künftig neue Wege gehen, um Motivation für den freiwilligen Einsatz in der Feuerwehr zu wecken. Stellvertretend für alle 48 Mönninghauser Wehrleute nahm Heinz Sprick von ihm die Ehrenurkunde des Landes Nordrhein-Westfalen entgegen.

Für Gesekes Stadtoberhaupt und Schirmherr Franz Holtgrewe sind die Wehren unverzichtbar für das Gemeinwesen. "Ohne sie wären wir ohnmächtig und hilflos. Sie sind ein Grundpfeiler des menschlichen Zusammenlebens." Holtgrewe erinnerte an den Einsatz der Mönninghauser Wehr beim Hochwasser im Jahr 2007. Nur mit einer "unglaublichen Leistung" habe die Truppe von Heinz Sprick vor vier Jahren das neue Feuerwehrgerätehaus gebaut. "Das ist im übrigen nicht nur für die Technik da, sondern auch zum Feiern", sagte Holtgrewe. Denn nur mit einer intakten Kameradschaft könnten die Herausforderungen der Zeit bewältigt werden.

Den Auftakt der Feierlichkeiten am Samstag hatte eine Messe in der St.-Vitus-Pfarrkirche gebildet. Pfarrer Thomas Schmidt widmete die Fürbitten den Blauröcken und verknüpfte den Zimmermannsstich und den Rettungsknoten mit dem Glauben. Im übertragenden Sinn könne man damit auch Christen einfangen und retten.

Die anschließende Markusprozession führte Wehrleute und Gläubige gemeinsam zu verschiedenen Stationen des 824 Einwohner zählenden Ortes. Ein imposantes Bild bot danach der Umzug von der Pfarrkirche zum Feuerwehrgerätehaus. Alle auswärtigen Feuerwehrkameraden waren angetreten und marschierten unter den Klängen des Musikzuges aus Störmede durch die Straßen. Der Wettergott spielte prima mit und bescherte abendlichen Sonnenschein bei angenehmen Temperaturen. Das gemütliche Beisammensein sollte spätestens nach dem Festakt nicht zu kurz kommen. Zugführer Heinz Sprick gab das entsprechende Kommando "Weggetreten zur Flüssigkeitsaufnahme".