Verteidigungslinie überzeugt nicht alle Dorfbewohner

Viel Zündstoff in Bürgerversammlung: Ingenieurbüro aus Minden wirbt bei skeptischen Mönninghausern um Vertrauen für das Hochwasserschutzkonzept

Überflutete Keller, Wohnungseinrichtungen, die den Wassermassen zum Opfer fielen und Straßen, die sich in reißende Bäche verwandelten - spätestens seit der Katastrophe im Sommer 2007 können die Mönninghauser nicht mehr ruhig schlafen, wenn im Wetterbericht das nächste Starkregenereignis angekündigt wird. Unruhig ging es auch am Mittwochabend auf einer Bürgerversammlung zu, die das von der Stadt beauftragte Ingenieurbüro Sönnichsen aus Minden dazu nutzen wollte, um Vertrauen für das rund 725 000 Euro teure Hochwasserschutzkonzept zu werben.

Über drei Stunden diskutierten die nach wie vor skeptischen Mönninghauser mit den Hochwasser-Experten aus Minden, mit Ortsvorsteher Josef Gillejohann, Bauamtsleiter Udo Heinrich und dem Bauausschussvorsitzenden Robert Henneken über den vom Stadtrat bereits abgesegneten Genehmigungsplan. Dipl.-Ingenieur Sebastian Klaerding vom Büro Sönnichsen erläuterte den Zuhörern zunächst noch einmal das Maßnahmenbündel. Wegen der kurzen Vorwarnzeit sei grundsätzlich ein so genannter schlafender Hochwasserschutz durch eine "eng an die Ortschaft angeschmiegte Verteidigungslinie" (Klaerding) geplant. Als eine der Kernmaßnahmen nannte der Experte die Verlegung eines unterirdischen, 350 Meter langen Rohres (1,20 Meter Durchmesser) in der Helle, das die Wassermassen in den Sudhoffgraben leiten soll.

Im Sudhoffgraben wiederum sollen die Verrohrungen entfernt, der Abflussquerschnitt vergrößert, eine neue Brücke über den Vitusweg (dreifacher Querschnitt) sowie eine Stützwand und eine Natursteinböschung errichtet werden. Im westlichen Bereich des Dorfes ist eine Geländeaufhöhung (rund 90 Zentimeter) und eine Profilierung der Entwässerungsgräben geplant, an der Springlake und an der Raute soll durch das Freihalten der Gräben eine ausreichend große Vorflut geschaffen werden.

Wie Irene Struwe-Pieper von der CDU-Ortsunion berichtete, bereitet der Sudhoffgraben vor allem den Landwirten Sorgen. Sollte der Durchfluss nach Hörste nicht gewährleistet sein, befürchten sie Ernteschäden auf den Feldern im Mönninghauser Bruch. Klaerding erinnerte in diesem Zusammenhang an die Unterhaltspflicht der Städte Geseke und Lippstadt sowie des Wasserverbandes Obere Lippe. Ganz ohne Wasser werde es im Bruch aber nie gehen. "Das ist und bleibt ein natürlicher Überflutungsraum", so Klaerding.

Für den größten Zündstoff sorgte die kostspielige und aufgrund des Reliefs auch sehr aufwändige Verrohrung in der Helle, die mit dem Verschließen eines zur Siedlung führenden Durchlasses einhergeht. "Das ist ein Witz", meinte ein Bürger. "Das ist totaler Schwachsinn", ein anderer. Ob das Konzept nicht zunächst ohne diese Maßnahme durchgeführt werden könne, fragten einige Dorfbewohner, die zudem eine Gefährdung der dortigen Linden durch die Verrohrung sehen.

Um das Wasser aus dem Süden gar nicht erst ins Dorf kommen zu lassen, sei die Schließung des Durchlasses und die Weiterleitung des Wassers durch das Rohr in den Sudhoffgraben nach den Berechnungen unvermeidbar, hieß es im Gegenzug. Der landespflegerische Begleitplan sehe zudem den Schutz der Linden und viele weitere ökologische Verbesserungen vor, die das Gesamtkonzept erst genehmigungsfähig machen.

Nicht einsehen wollte so mancher Bürger auch, dass das aus Süden kommende Wasser nicht schon in Ehringhausen in den Lämmerbach abgeleitet werden kann. Dort müsste aufgrund des Gefälles in 2,5 Meter Tiefe ein 2,5 Kilometer langes Rohr verlegt werden. Durch die Erdarbeiten entstünden gewaltige Kosten. Zudem könne das Problem nicht auf die Nachbarn abgeschoben werden, entgegnete Klaerding.

"Wir machen seit 30 Jahren Hochwasserschutz. Wir wissen, was wir tun", versuchte Detlef Sönnichsen, Geschäftsführer des Ingenieurbüros, das Auditorium schließlich zu beruhigen. Ihm zur Seite sprang Ortsvorsteher Josef Gillejohann. "Wir sind alle an einer gemeinsamen Lösung interessiert. Wir dürfen das Dorf dadurch nicht spalten", erklärte er. Bis zum 8. Februar haben die Mönninghauser jetzt noch Zeit, Stellungnahmen zum Genehmigungsplan abzugeben. Danach lädt der Kreis als Genehmigungsbehörde zu einem Erörterungstermin ein, bei dem die Anregungen und Bedenken verhandelt werden. Erst danach erfolgen die Ausführungsplanung, die notwendigen Grundstücksverhandlungen und die Beantragung der bei der Bezirksregierung bereits angemeldeten EU-Fördermittel in Höhe von bis zu 80 Prozent.