Von besonderer Qualität

Angehörige der Feuerwehr stehen rund um die Uhr für die Rettung von Menschenleben zur Verfügung, haben trotzdem Nachteile

Kreis Soest - Nur drei Prozent der Feuerwehrleute üben ihren Dienst hauptamtlich aus. Das Gros solchen Engagements läuft über die ehrenamtliche Schiene. Doch der demografische Wandel in der Gesellschaft macht sich auch hier zunehmend bemerkbar. Die Folge: "Gegenüber den 1960er/70er Jahren müssen wir künftig doppelt so viele Jugendliche für die Feuerwehr gewinnen". So schilderte Ralf Hellermann, Dezernent für Ordnung, Gesundheits- und Verbraucherschutz bei der Soester Kreisverwaltung, den Mitgliedern des Ausschusses für Ordnungsangelegenheiten und Rettungswesen die Ausgangslage.

Den Verantwortlichen bei der Feuerwehr ist die Problematik wohl bewusst. Schon Mitte November 2010 haben sich die Leiter als Arbeitskreis mit Vertretern aus Politik und Verwaltung getroffen, mit dem Ziel, eine Initiative zur Stärkung des Ehrenamtes in den Freiwilligen Feuerwehren des Kreises Soest anzustoßen und voranzubringen. Dabei wurde zunächst einmal eine "Gedankensammlung" angelegt, die jetzt in konkrete Vorstellungen für die Zukunft der heimischen Feuerwehr gegossen werden soll.

Das Papier legte Kreisbrandmeister Thomas Wienecke den Mitgliedern des Ordnungsausschusses vor. Es enthält Stichpunkte zur derzeitigen Alltagssituation bei der Freistellung zu Feuerwehreinsätzen und einige Verbesserungsvorschläge. Der Arbeitskreis wird seine Handlungsempfehlungen, auf die drei Ebenen Kommunen, Region (Kreis), Land bezogen, jetzt weiter ausarbeiten und konkretisieren.

Der Kreisbrandmeister wies im Ausschuss auf die "besondere Qualität des Ehrenamtes bei der Feuerwehr" hin. Schließlich setzten sich die Brandschützer 24 Stunden an 365 Tagen des Jahres für Menschenleben ein. Nachteile, die sie wegen dieses Engagements hinnehmen müssten, gelte es zu beseitigen. Die Feuerwehren haben nach seinen Worten tagsüber Schwierigkeiten, im Bedarfsfall genügend Einsatzkräfte zusammenzutrommeln, "nicht nachts, wenn die Helfer ohnehin zu Hause sind", verdeutlichte er noch einmal die nicht ganz neue Problematik.

Die Arbeitgeber sind laut Feuerschutzhilfeleistungsgesetz (FSHG) zur Freistellung von Einsatzkräften verpflichtet, "aber die Wirklichkeit sieht anders aus", heißt es in dem Papier des Arbeitskreises. Die Chefs erklärten ausdrücklich ihre Teilnahme, Abteilungsleiter oder direkte Vorgesetzte drohten hingegen mit Sanktionen. Dazu komme der Druck von Kollegen, die die Arbeit miterledigen müssten. Auch Beschäftigte im öffentlichen Dienst würden mit Verweis auf dünne Personaldecken nur widerwillig freigestellt.

Beim finanziellen Ausgleich liege ebenfalls einiges im Argen. So erhielten Selbständige, die sich an einem Feuerwehreinsatz beteiligten, mit oft nur 15 Euro weniger, als ihnen für Mitarbeiter im Feuerwehrdienst vergütet werde. Wienecke: "Das ist eine Ungerechtigkeit."

Auch beklagte der Feuerwehr-Chef den enorm hohen bürokratischen Aufwand, der Führungskräften der Feuerwehr ihr Engagement erheblich erschwere. Der Arbeitskreis wird in Kürze zur weiteren Beratung zusammenkommen.