Bürger eroberten ihr Rettungszentrum

Das Wetter spielte zwar nicht mit, doch mit dem Startschuss des Programms des Tages der offenen Tür am Sonntag, 26. August 2012, setzte trotz Regens ein stetiger Besucherstrom zum Rettungszentrum des Kreises Soest am Boleweg in Soest in Bewegung. So herrschte bei den Vorführungen der Höhenretter der Feuerwehren im Kreis oder der Landeskarategruppe der nordrhein-westfälischen Polizei dichtes Gedränge.

Der erste Weg von Landrätin Eva Irrgang führte zu den Hundeführern der Kreispolizeibehörde. Den belgischen Schäferhund Rambo hatte sie vor einem Jahr bei dessen "Dienstantritt" begrüßt, jetzt konnte sich die Chefin der Kreispolizeibehörde davon überzeugen, was er als Schutzhund und Experte für das Aufspüren von Rauschgift gelernt hat.

Besonders interessierte die Besucherinnen und Besucher, wo die Notrufnummern 110 (Polizei) und 112 (Rettungsdienst/Feuerwehr) auflaufen. Die Schlange vor der Rettungsleitstelle war lang, in Gruppen durften die Gäste einen Blick hinter die Kulissen werfen. Sie erfuhren, dass 112 der Notruf bei lebensbedrohlichen Krankheiten sei. Wer lediglich einen Krankentransport benötige, müsse 02921/19222 wählen. Außerdem gebe es die kostenlose bundesweite Nummer 116117 des ärztlichen Bereitschaftsdienstes der Kassenärztlichen Vereinigungen, an die man sich wenden kann, wenn der Hausarzt Feierabend hat oder im Wochenende ist. Die Polizei informierte mit einer Präsentation über die Arbeit ihrer Leitstelle, die 2011 rund 51.000 Einsätze im Kreis Soest koordiniert hat.

Einem in Kampfsport ausgebildeten Polizisten greift man besser nicht in die Haare. Denn der weiß auch bei Attacken von hinten den Aggressor mit wenigen Handgriffen außer Gefecht zu setzen. Das erlebten die Bürgerinnen und Bürger bei den Demonstrationen der Landeskarategruppe. Um die Ursachen von Unfällen nachträglich ermitteln zu können, wendet die Polizei in Nordrhein-Westfalen ein digitales Messverfahren an. Polizeibeamtinnen und -beamte erklärten anhand eines simulierten Unfalls, wie das funktioniert. Auch der Blick in einen modernen Streifenwagen war möglich. Das Kontrastprogramm bildete ein VW-Käfer der Polizei aus den 1960er Jahren.

Bei einem Massenanfall von Verletzten können die Einheiten von Feuerwehr, Deutschem Rotes Kreuz, Malteser Hilfsdienst, Technischem Hilfswerk und Deutscher Lebensrettungsgesellschaft zum mit dem Rettungsdienst des Kreises einen Behandlungsplatz für 50 Verletzte errichten. Die Zuschauer zeigten sich verblüfft, wie schnell sich ein Zelt mittels Druckluft errichten lässt. Die Hilfsorganisationen stellten auch ihre Tätigkeit im Katastrophenschutz dar, wozu neben Sanitätsdienst und Patientenversorgung zum Beispiel Trinkwasserversorgung gehört. Die Hilfsorganisationen sorgten zusammen mit Feuerwehr und THW auch für das leibliche Wohl beim Tag der offenen Tür.

Die Feuerwehr war nicht nur mit ihren Höhenrettern präsent, sondern auch mit Vorführungen zur Dekontamination sowie ihrer Notfallseelsorge-Truppe. Am Einsatzleitwagen II stellten sie die Arbeit des Führungsstabes bei größeren Lagen dar. Eine Gefahrgutübungsanlage simulierte einen leckgeschlagenen Lkw, aus dem gefährliche flüssige Ladung ausläuft. Es zischte und qualmte, Flammen loderten. Für die Besucher ein echter Hingucker.

Auch der Krisenstab des Kreises informierte, wie er zum Beispiel bei einem Hochwasser an der Lippe, einem Bahnunfall oder einer Tierseuche arbeitet. In letzterem Fall ist natürlich das Krisenmanagement des Veterinärdienstes besonders gefragt, der in einer der Fahrzeughallen über die Tierseuchenbekämpfung informierte. Der Veterinärdienst bzw. die Lebensmittelkontrolleure beantworteten aber auch, was bei Vereinsfesten in Bezug auf Lebensmittelhygiene zu beachten ist. Oder wie sie Frittenfett mit Hilfe eines Schnelltestes auf Verderbnis überprüfen.