Feuerwehren bündeln Kräfte

Größere Mengen Gas treten bei Baggerarbeiten aus einer Ringleitung in der Kernstadt aus. 200 Liter Propionsäure laufen im Langeneicker Gewerbegebiet aus einem Behälter. Frei gewordene Säure aus einem Röntgenentwickler sorgt für eine großräumige Sperrung rund um das Evangelische Krankenhaus in Lippstadt. Auf der A 44 läuft nach einem Unfall Kraftstoff aus einem Sattelzug. Allein dieser Rückblick auf das Jahr 2012 zeigt: Die Feuerwehr ist längst mehr als eine reine Brandbekämpfungstruppe.

Höchste Anforderungen werden an die Lebensretter mittlerweile auch beim ABC-Schutz gestellt. "Die Einsätze in diesem Bereich häufen sich. Das Thema wird heute viel sensibler wahrgenommen", stellt der Geseker Stadtbrandinspektor Malte Wiesner fest. Wohl auch deshalb haben mittlerweile schon 50 Rettungskräfte aus dem Stadtgebiet den ABC-1-Lehrgang absolviert.

"Besonders zeit- und vor allem personalintensiv sind die Einsätze zum Schutz vor atomarer, biologischer oder chemischer Gefahr", weiß Wehr-Sprecher Michael Menke. "Die Geseker Feuerwehr für sich kann da schon mal schnell an Grenzen stoßen", sagt Störmedes speziell für den ABC-Schutz ausgebildeter Löschzugführer Ralf Harrenkamp.

Die Störmeder Kameraden koordinieren deshalb ohnehin seit Jahren den ABC-Schutz für die Geseker Wehr. Zur Hilfe eilen sie zudem, wenn in der Nachbarschaft Gefahr in Verzug ist. Und weil ABC-Schutz keine Stadtgrenzen kennt, arbeitet die Geseker Wehr ab sofort noch enger mit den Kommunen Erwitte und Lippstadt zusammen. Personal und Ausstattung werden gebündelt. "Wir sind dadurch noch besser organisiert", erklärt Wiesner. "Eine einheitliche Struktur bedeutet noch größere Sicherheit", ergänzt Harrenkamp. Neben den Synergieeffekten ist die Kooperation natürlich auch eine Kostenfrage. Investitionen können demnächst - anteilig umgerechnet auf die jeweilige Einwohnerzahl - gemeinsam finanziert werden.

Politisch ist die Zusammenarbeit bereits abgesegnet. Gemeinsam bilden die Wehren aus Erwitte, Lippstadt und Geseke nun den ABC-Zug 3 im Kreis Soest. Besondere Bedeutung kommt dabei einmal mehr dem Feuerwehrgerätehaus in Störmede zu. Das ABC-Schutzkonzept des Kreises sieht hier die Stationierung des Gerätewagens Gefahrgut (GW-G) für den Zug 3 vor. Der GW-G ist so etwas wie das "Herzstück" des ABC-Zuges. An Bord sind Schutzanzüge für den Umgang mit Laugen, Säuren und Mineralöl, verschiedene Abdichtkissen und Pfropfen zur Leckage-Abdichtung, Edelstahlbehälter und Ablaufrinnen sowie Schlauch- und Fasspumpen zum Auffangen gefährlicher Flüssigkeiten, Mehrgasmessgeräte und Prüfröhrchen zur Feststellung bestimmter Stoffe und Konzentrationen, eine so genannte Dekontaminations-Dusche, eine Beleuchtungsanlage und ein Notstromaggregat.

"Das sieht immer sehr gewaltig aus, wenn wir mit dem ABC-Zug anrücken", gibt Wiesner zu. Doch sei der personelle und technische Aufwand mehr als gerechtfertigt. Oft kläre sich die tatsächliche Gefahrenlage erst am Unfallort. Und sind Gesundheit oder Umwelt tatsächlich gefährdet, sind viele Hände gefordert. "Wir brauchen allein neun Personen, die sich nur um den Aufbau des Dekontaminationsplatzes kümmern", nennt Harrenkamp nur eine von vielen Aufgaben während eines ABC-Einsatzes. Damit die Lebensretter aus Geseke, Erwitte und Lippstadt für den Ernstfall gerüstet sind, treffen sie sich alle vier Woche zum gemeinsamen ABC-Übungsabend. "Bei Ausbildung und Wissen sind wir so alle auf dem gleichen Stand", versichert Wiesner.

Und auch Bürgermeister Franz Holtgrewe fand in der jüngsten Ratssitzung Gefallen an der getroffenen Vereinbarung. "Das nennt man klassische kommunale Zusammenarbeit und kann als gutes Beispiel für andere Bereiche dienen", betonte er.