"Menschen aus der Dunkelheit ans Licht helfen"

Trauerbegleiterinnen der Hospizbewegung sprechen über die Auseinandersetzung mit dem Tod

Wenn ein geliebter Mensch stirbt, bricht für die Angehörigen oft eine Welt zusammen. Ein Leben ohne den Verstorbenen ist kaum vorstellbar, die Trauer scheint unüberwindbar. Um den Verlust zu verarbeiten, bietet die Hospizbewegung Geseke seit mehr als zehn Jahren Trauerseminare an. Geleitet werden sie aktuell von den ehrenamtlichen Trauerbegleiterinnen Sr. Maria Henrika Trottenberg, Manuela Nolte und Claudia Rodenbröker-Pauli. Im Interview mit dieser Zeitung erzählen sie von ihrer Arbeit.

Was macht ein Trauerseminar aus?
Sr. Maria Henrika: Männer und Frauen, bei denen ein lieber Mensch gestorben ist, melden sich in ihrer tiefen Trauer freiwillig und bewusst an. Es geht darum, den Verlust zu sehen und zu betrachten. Die Trauernden sollen zu neuen Perspektiven kommen und lernen, real ohne den Verstorbenen zu leben - auch wenn er immer in ihrem Herzen bleiben wird. Nolte: Die Teilnehmer kommen in geschlossenen Räumen zusammen. Die Schweigepflicht wird ganz groß geschrieben, es kommt nichts nach draußen. Die Gruppe lebt vom Miteinander. Die Trauer um einen Menschen verbindet, die Mitteilung untereinander spielt eine große Rolle. Rodenbröker-Pauli: In den Trauerseminaren arbeiten wir unter anderem mit Meditation und Betrachtungen.

Kann man das Trauerseminar mit einer Selbsthilfegruppe vergleichen?
Sr. Maria Henrika: Wir sind keine Selbsthilfegruppe. Trotzdem helfen die Teilnehmer sich selbst auch untereinander in ihrem Schmerz. Wir als Leiterinnen sind keine Psychologen, sondern leiten, führen und geben Impulse.

Wie viele Personen nehmen durchschnittlich an den Seminaren teil?
Rodenbröker-Pauli: Acht bis zwölf. Das ist die optimale Personenzahl, bei der man allen Teilnehmern gerecht wird. Sr. Maria Henrika: Für das aktuelle Trauerseminar haben sich sechs Personen angemeldet. Es wäre schön, wenn noch ein paar dazukommen würden, damit es effektiv ist.

Gibt es mehr Frauen oder mehr Männer im Seminar?
Rodenbröker-Pauli: Es sind mehr Frauen. Nolte: Die Hemmschwelle bei Männern ist höher. Wenn Frauen sterben, stammen sie meist noch aus einer Generation, in der Männer nicht weinen durften.

Was war ihre Motivation, Menschen bei der Trauerbewältigung zu helfen?
Sr. Maria Henrika: Das Glück überträgt sich, wenn man sieht, wie die Menschen in ihrer Trauer wieder neu beginnen zu leben. Ich habe selbst als kleines Kind erlebt, wie schwer es ist, den Vater zu verlieren und sich nicht richtig verabschieden zu können. Nolte: Es ist eine schöne Aufgabe, wenn man Menschen aus der Dunkelheit ans Licht helfen kann. Rodenbröker-Pauli: Man wächst mit den Teilnehmern. Das ist etwas sehr, sehr Schönes.

Ist die ständige Konfrontation mit der Trauer eine Belastung für Sie? Falls ja, wie gehen Sie damit um?
Nolte: Ab und zu können wir unsere Erlebnisse im Trauerseminar nicht ganz wegwischen und nehmen sie mit nach Hause. Sr. Maria Henrika: Damit das nicht so häufig passiert, setzen wir uns nach jedem Treffen des Seminars zusammen und reflektieren die Ereignisse. - diet

Noch freie Plätze im Seminar
Für das nächste Trauerseminar der Hospizbewegung Geseke gibt es noch einige freie Plätze. Es beginnt am Mittwoch, 16. Januar, um 18 Uhr im Pfarrsaal der Stiftskirche. Die Treffen der Gruppe finden zehn Mal, jeweils wöchentlich, statt. Die Teilnahme am Seminar ist kostenlos. Anmeldungen nimmt die Hospizbewegung noch bis Donnerstag, 10. Januar, unter Tel. (0 29 42) 79 90 55 oder während der Bürozeiten entgegen. Das Seminar richtet sich an Trauernde, die in der vergangenen Zeit den Tod eines lieben Menschen zu beklagen hatten. Es lädt dazu ein, sich in einem geschützten Raum und unter Anleitung ausgebildeter Trauerbegleiterinnen auf die Suche nach Wegen durch die Trauer zu begeben.

Der Patriot - Geseker Zeitung, Ausgabe vom Samstag, 05. Januar 2013