Wenn der Notruf ausfällt

Die Medienberichte über den längerfristigen Ausfall der Notrufnummer 112 Anfang der Woche in der Region Siegen hat Hans-Peter Trilling mit großem Interesse verfolgt. Und dabei vermutlich mehr als einmal gedacht: "Hoffentlich bleiben wir davon im Kreis verschont." Falls nicht, so der Leiter der Abteilung Rettungsdienst, Feuer- und Katastrophenschutz bei der Kreisverwaltung, wurde Vorsorge getroffen. Die ist freilich nicht technischer Natur. "Sollte die 112 längere Zeit ausfallen, werden wir vor Ort mehr Präsenz zeigen", versichert Trilling.

Konkret würde das bedeuten, dass Feuerwehrleute in den Gerätehäusern Stellung bezögen, um für Hilfe suchende Bürger ansprechbar zu sein. Immerhin kommt, statistisch gesehen, bei rund 3300 Brandschützern im Kreis Soest eine Feuerwehrfrau beziehungsweise ein Feuerwehrmann auf knapp 100 Einwohner. Dazu kennt Trilling kaum einen Ortsteil, in dem nicht ein Feuerwehrgerätehaus existiert.

Warum die Verantwortlichen des Kreises im Falle eines Netzausfalls die Karte "mehr Präsenz vor Ort" ziehen müssten, kann Trilling schnell erklären. "Bei der 110 für die Polizei und der 112 für die Feuerwehr handelt es sich um so genannte hoheitliche Telefonnummern." Im Klartext: Nicht jeder Telefonanbieter kann sie so einfach aufschalten. Abgesehen davon käme, so Trilling, auch ein privater Anbieter von Telekommunikationsleistungen "irgendwann nicht an der Telekom vorbei". Die firmierte einst bekanntlich als eine Sparte der alten Bundespost und verfügt daher über ein dicht gesponnenes Festnetz.

Mehr Präsenz vor Ort ist laut Trilling aber kein Allheilmittel, falls die Nummer 112 länger stumm bleiben sollte. Wenn zum Beispiel jemand in seiner Wohnung einen Herzinfarkt erleidet und der Partner, der Hilfe rufen will, nicht den telefonischen Notruf absetzen kann, würde womöglich zu viel Zeit verstreichen, bis die Helfer im nächsten Feuerwehrgerätehaus alarmiert sind. Das falle dann aber wohl in die Rubrik allgemeines Lebensrisiko.

Über einen Notruf-Kollaps hinaus machen sich die Verantwortlichen noch über ganz andere Szenarien Gedanken: den Ausfall des Strom-, Telefon- oder Wasserversorgungsnetzes. "Das öffentliche Leben bräche dann weitgehend zusammen", so Trilling, der auch weiß, "dass man dann Abstriche machen muss". Die Schnee- und Eiskatastrophe vor einigen Jahren im Münsterland habe gezeigt, welche Dimensionen der Ausfall von Stromnetzen erreichen könne.

Die Bürger täten übrigens gut daran, selbst eine gewisse Vorsorge zu treffen und sich ein paar Vorräte anzulegen, die nicht in einer Tiefkühltruhe aufbewahrt werden. Taschenlampen, Kerzen und Streichhölzer sollten für den Notfall ebensowenig fehlen wie ein Kasten Mineralwasser im Keller.

Der Patriot vom 23.01.2013