Die Städte und Gemeinden in NRW rüsten auf. Verloren die Sirenen auf den Dächern landauf, landab nach Ende des Kalten Krieges an Bedeutung, besinnen sich mittlerweile zahlreiche Kommunen neu und setzen laut Innenministerium wieder vermehrt auf die „grauen Pilze“ als bewährtes Mittel der Warnung (wir berichteten). In Geseke ist das gar nicht nötig. Hier haben die Anlagen auch nach der Abschaltung des flächendeckenden Sirenensystems nie aufgehört, zu heulen.

„Früher haben wir selber den Knopf gedrückt. Heute sind die Sirenen digital mit der Leitstelle in Soest verbunden“, erklären der stellvertretende Feuerwehr-Chef Florian Nagelmeier und Pressesprecher Michael Menke im Gespräch mit unserer Zeitung. Insgesamt neun intakte Sirenen gibt es nach wie vor im Stadtgebiet. Fünf befinden sich in der Kernstadt, und zwar auf dem Gerätehaus am Lindenweg, auf der Stadtverwaltung, auf dem Haus Kristen, auf dem Haus Berle sowie am Böhmerweg. In Störmede ragen die Heuler auf dem Gerätehaus und auf der Metzgerei an der Lange Straße in den Himmel, in Langeneicke auf dem Haus von Schützenoberst Franz Westermann an der Oberdorfstraße und in Mönninghausen wiederum auf dem Gerätehaus. An jedem dritten Samstag im Monat heulen sie um 12 Uhr probehalber gleichzeitig los.

„Wir haben die Alarmierung über die Sirenen nie abgeschafft und für die Feuerwehr selbst weiter genutzt“, sagt Nagelmeier. Bricht im Stadtgebiet ein Großbrand der Gefahrenlage 3 oder gar 4 aus, heulen die Sirenen auf. „So erreichen wir auch die Kameraden, die gerade keinen Melder dabei haben“, erklärt Menke. Positiver Nebeneffekt: Der durchdringende Signalton schärft gleich doppelt die Sinne. „Wenn die Sirenen angehen, ist jedem von uns klar, das wird ein besonderer Einsatz“, so Menke und Nagelmeier. Natürlich wissen die beiden aber auch um die Bedeutung der Sirenen für den Bürger. „Im Katastrophenfall, etwa bei Unwettern, besteht nach wie vor auch die Möglichkeit, die Bevölkerung durch die Sirenen zu warnen“, so Menke. Vor allem auch für diese Notlagen lässt die Stadt Geseke die neun Sirenen Jahr für Jahr von einer Fachfirma warten. Ordnungsamtsleiter Rainer Graskamp würde in diesem Zusammenhang die Rückkehr zu einem bundesweit einheitlichen Warnsystem – etwa in Kombination mit einer Katastrophen-App für das Smartphone – begrüßen.

Die Stadt Geseke jedenfalls will sich dafür rüsten. Derzeit lässt sie laut Graskamp ein Lärmgutachten für die Sirenen erstellen. Es soll Aussagen über die Reichweite der Anlagen liefern. In Ehringhausen etwa gibt es nämlich gar keine Sirene. Defizite sieht Graskamp zudem in den außerhalb gelegenen Neubaugebieten der Kernstadt. „Wir denken deshalb über eine Modernisierung der vorhandenen und die Anschaffung weiterer Sirenen nach“, berichtet Graskamp. Der Patriot - Geseker Zeitung