„Uns schickt der Himmel“

„Darf ich wieder die Dübel reinkloppen?“ Neugierig lugt Mara über Tobias’ Schulter. Der 18-Jährige ist gerade schwer beschäftigt: Links neben ihm liegt die Wasserwaage, rechts der Zollstock und den Kugelschreiber zum Anzeichnen hat er gerade erst wieder in die Tasche gesteckt. Mit der großen Bohrmaschine setzt er jetzt an und bohrt die Löcher, die er eben an der Gartenmauer im Haus Allerbeck so sorgfältig ausgemessen hat. Hilfe von der Elfjährigen kommt da gerade richtig.

Hier im Garten der Tagespflege ist mächtig was los: 40 Kinder und elf Betreuer wuseln hin und her, werkeln fleißig und balgen auch mal. Die einen im Jugendfeuerwehr-Outfit, andere mit dem rot-weißen Halstuch der Malteser-Jugend und wieder andere in den Jacken vom Jugendrotkreuz. Aber alle mit der gleichen Kappe: „Uns schickt der Himmel“, steht da drauf. Es sind die Kappen der 72-Stunden-Aktion des BDKJ.

Die fand an diesem Wochenende wieder statt und in ganz Deutschland machen Kinder und Jugendliche die Welt ein kleines Stückchen besser. Und hier sind es gleich drei Organisationen, die zusammenarbeiten. „Die drei Blaulichtjugenden hier in Geseke arbeiten ständig nebeneinander her“, sagt Pastor Norbert Scheckel, als er lächelnd von der Terrasse auf die Jungen und Mädchen blickt. „Warum nicht mal was gemeinsam machen?“

Ein Projekt haben sie im Garten der Tagespflege gefunden. „Schwester Andrea hat jedes Jahr eine neue Idee“, erzählt Homecare-Geschäftsführer Dieter Ritz. Erst gab’s ein Heiligenhäuschen, dann einen Hühnerstall und dass jetzt ein Barfuß-Pfad entsteht, findet Ritz, der sich ehrenamtlich auch bei den Maltesern engagiert, richtig gut. „Das wächst in den letzten Jahren immer mehr zusammen“, hat er beobachtet.

Vor gut 20 Jahren sei das noch nicht so gewesen. Ein bisschen geneckt wird aber doch noch: „Das hätte ich aber nicht von einer Feuerwehr erwartet, dass die hinter einer Stoffbanane herrennen“, sagt Max erst ganz ernst mit erhobenem Zeigefinger, muss dann aber doch schelmisch grinsen. Während er gemeinsam mit Matti, Noah und Chiara schwer schuftet, gönnen sich die Jugendfeuerwehrleute nämlich eine kleine Pause und spielen mit eben dieser Stoffbanane eine Runde schnappen.

Sie haben aber auch schon ordentlich was geschafft: Wesersand und Weserkies sowie Rheinsand und Rheinkies liegen, genauso wie der Zierkies und der Rindenmulch schon an ihrem Platz, jetzt kümmern sich die vier Jugendrotkreuzler um die Europalette, die als Untergrund noch fehlt.

Tobias und Mara derweil haben das Geländer mittlerweile fast fertig montiert. Das wird auch schon kontrolliert: Arik kommt angestapft, guckt sich alles ganz genau an und wackelt an dem Edelstahlrohr. „Das ist unser Feuerwehrmaskottchen“, sagt Jannis, der ebenfalls gerade zum Anpacken gekommen ist, lachend. Der 15-Monate-alte Junge hält hier alle auf Trab.

Am Ende der 72-Stunden-Aktion kann sich der Barfuß-Pfad wirklich sehen lassen. Homcare will aber noch ein Schippchen drauf setzen: An die eine Seite des Pfades soll ein kleines Wasserspiel kommen.

Ein Pfad für alle

Jetzt hat die Blaulicht-Jugend den Barfuß-Pfad nur für die Gäste des Hauses Allerbeck gebaut? Pustekuchen! Das Ergebnis der 72-Stunden-Aktion ist nämlich für jeden gedacht. Von 8 bis 16 Uhr hat die Tagespflege geöffnet und wer sich dann oben meldet, der darf den Pfad auch ausprobieren.

von Hannah Löseke
Geseker Zeitung - Der Patriot