Ein Besuch im Kleiderschrank der Feuerwehr von Hannah Wapelhorst

Wenn der Melder geht, muss alles schnell gehen. Jede Sekunde kann lebenswichtig sein. Raus aus der Jeans, rein in Stiefel, Hose, Jacke und Helm. In den Umkleiden der Geseker Feuerwehr muss alles seine Ordnung haben, jeder Ablauf (und jeder Reißverschluss) muss sitzen. Und auch nach dem Einsatz gibt es ein strenges Protokoll für die PSA (Persönliche-Schutausrüstung) – die Augen von Andre Fara, Marc Sternberg und Irena Holste behalten alles im Blick. Sie leiten die wehreigene Kleiderkammer. Ein Besuch im Kleiderschrank der Feuerwehr.

Von Hannah Wapelhorst

Geseke – So eine Feuerwehrmontur muss ganz schön was aushalten. Geht ein Kamerad/in in ein brennendes Haus, prasseln Hitze, Ruß und Rauch auf Mensch und Klamotte ein. Dabei soll die Kleidung den Zweck erfüllen, den Menschen vor Verletzungen zu schützen.

Andre Fara zeigt auf eine alte Jacke. Sie ist beim letzten Einsatz an einen heißen Motor gekommen. Die Spezial-Wäscherei hat sie aussortiert. Andere Kleidungsstücke können durchaus repariert werden – je nach Schaden. „Bei dieser hier lohnt sich das nicht mehr“, sagt Fara. Sie hat ausgedient und ihren Träger geschützt – „das ist die Hauptsache“. Unzählige Einsätze, verschiedene Träger, Kleiderbügel und Waschdurchgänge muss die Jacke mitgemacht haben. „Wir haben Sachen, die sind zehn Jahre alt, andere sind nach nur einem Einsatz kaputt“, erklärt Andre Fara.

Hinter der Kleidung steckt ein ausgeklügeltes System. Dafür hat die Feuerwehr Geseke den Fachbereich „Kleiderkammer“. Andre Fara, Marc Sternberg und Irena Holste kümmern sich um den Reinigungszirkel, den Tausch-Pool, die Bestellung von Neuware und die Inventarisierung.

Jedes Teil, ob Stiefel oder Jacke, trägt einen Barcode, mit sie nachvollziehen können, was wem gehört und wann was zuletzt bei der vorgeschriebenen Prüfung war. Die Einsatzkleidung muss regelmäßig überprüft werden – nach der Unfallverhütungsvorschrift (UVV). Die UVV-Prüfung muss bei jedem Kleidungsstück einmal im Jahr oder nach jedem Einsatz im Feuer durchgeführt werden, erklärt Fara. Um den Überblick zu behalten, braucht es organisatorisches Geschick: Denn 193 Feuerwehrleute und 80 Atemschutzgeräteträger müssen ausgerüstet werden. Letztere übrigens mit einem Ausrüstungs-Zusatzgewicht von 17 Kilo – „wer da nicht schwitzt...“, gibt Feuerwehr-Sprecherin Nicole Senger zu Bedenken.

Stets mit sauberer Einsatzkleidung geht es für die Wehrleute zu Unfall, Feuer und Co. Jeder, der im Feuer war, muss sich noch an der Einsatzstelle umziehen. „Dafür gibt es saubere, eingeschweißte Jogginganzüge, sodass die Person auch nur wieder sauber zurück in den Wagen kommt“, erklärt Fara. Die kontaminierte Kleidung kommt anschließend in einen Container und wird auf Zuruf von der Wäscherei abgeholt. Der Kamerad muss mit Feuerwehr-Jogginganzug nach Hause fahren oder direkt an der Feuerwache duschen.

Die Einsatzkleidung besteht aus einem speziellen Stoff: Nomex. Er muss schwer entflammbar sein und Schweiß raus, aber Wasserdampf nicht rein lassen. Eine „Airlock-Membran“ zwischen den Stoffen ermöglicht diese Zirkulation. Es gibt zudem verschiedene Anforderungen und Normen – darunter der Wärmeübergang, die Wasserdichtigkeit oder der Wasserdampfdurchgangswiderstand.

Die zentrale Kleiderkammer versorgt alle vier Einheiten der Stadt Geseke. Hier werden Größen ausgetauscht, neue Freiwillige eingekleidet (auch die Jugendfeuerwehr) und Ausrüstungen geordert. Den tatsächlichen Umfang der Einsatzkleidung können Andre Fara und Marc Sternberg nur schätzen: „1500 bis 2000 Ausrüstungsgegenstände dürften das hier sein.“ Hinzu kommen Spezial-Ausrüstungen für eben spezielle Einsätze wie Hochwasser, Sturmschäden (Schnittschutzhosen, wenn Kettensägen benötigt werden) oder Austritt von Gefahrenstoffen (Chemikalienschutzanzüge). Bei richtig „heißen“ Einsätzen wie einem Tanklasterunfall mit Feuer kommt zum Beispiel ein Hitzeschutz-Poncho zum Einsatz.

Damit nicht genug des Stoffes: Vier verschiedene Westen deuten auf die Funktion des Trägers hin: Einsatzleiter (gelb), Pressesprecher (grün), Atemschutzüberwachung (schwarz-weiß) und Fahrzeugführer (blau). Und weil im Einsatz alle gleich aussehen, gibt es Namens- und Rückenschilder. Auch darum kümmert sich die Kleiderkammer.

Von kleinen Füßen und großen Händen: Größentechnisch ist für jeden etwas dabei. Die 12 Feuerwehrfrauen nehmen derweil mit der Einsatzkleidung für Herren vorlieb. Dafür gibt’s mittlerweile Dienstkleidung (Uniformen) für Damen.

Letzten Endes dreht sich im Fachbereich Kleiderkammer alles um Sicherheit und Effizienz. „Es geht schließlich um jede Sekunde und das alle Einsatzkräfte heile aus den Einsätzen zurückkommen“, so Fara.

Und Ordnung schafft genau diese Zeit, die Leben retten kann.

Quelle: Der Patriot